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Lanwer, Jens Philipp: Erzählen im virtuellen Interaktionsraum. In: Networx Nr. 84 (2019)

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Zusammenfassung: 
Eine multimodale Perspektive auf soziale Interaktion verändert „zwangsläufig klassischeGegenstände und Fragestellungen der Konversationsanalyse“ (Schmitt 2005:24).Dies betrifft ganz sicher auch die konversationsanalytisch ausgerichtete Erzählforschung:Analysen zum multimodalen Erzählen werfen insbesondere auf das Rezipientenverhaltenim Kontext narrativer Sequenzen ein neues Licht, da sich aufgrund desnotwendigen Zurückfahrens der verbal-mündlichen Aktivitäten gerade im Bereich desNonverbalen spezifische, für das Zuhören und Zusehen (vgl. Schmitt 2005:26) konstitutiveVerhaltensweisen wie Kopfnicken (Stivers 2008), Blickverhalten (C. Goodwin1984; C. Goodwin 1986; Rossano 2012; Rossano 2013) oder Körperausrichtung (C.Goodwin 1984; C. Goodwin 1986) manifestieren. Besonders Befunde zum Blickverhaltenin narrativen Sequenzen liefern Hinweise darauf, dass soziale Akteure in derFace-to-Face-Interaktion die Blickorientierung als eine Art participation displayzwecks Herstellung eines spezifischen Beteiligungsrahmens nutzen (C. Goodwin 1981;C. Goodwin 2000; M.H. Goodwin 1997; C, Goodwin/M.H. Goodwin 2004; Levinson1988). In Situationen des kollaborativen Erzählens spielt das Blickverhalten außerdemeine zentrale Rolle in Bezug auf die Vergabe der primären Erzählerrolle (Zima 2017).Die analytische Ausblendung entsprechender Displays führt zwangsläufig zu einer unvollständigenBeschreibung narrativer Praktiken unter Bedingungen der Kopräsenz.Eine multimodale Analyseperspektive eröffnet jedoch nicht nur einen weiter gefasstenBlick auf Praktiken des konversationellen Erzählens in der Face-to-Face-Interaktion(im Folgenden FtF), sondern ermöglicht es auch, Erzählpraktiken im Rahmen mediatisierterInteraktionsformen wie der Videotelefonie, d.h. in der Face-to-Screen-Interaktion(im Folgenden FtS) unter Berücksichtigung der potenziell verfügbaren Ausdrucksmodisystematisch zu analysieren und auf diese Weise Einblicke zu liefern in multimodaleStrategien der kooperativen Hervorbringung narrativer Sequenzen unter Bedingungenvirtueller Kopräsenz (Fornel 1994:110).Die Nutzung von web-basierten Diensten zur Durchführung von Videotelefonatenwie Facetime, Google Hangouts oder eben Skype dient häufig der Beziehungspflegeüber die Distanz – vor allem zwischen Personen, die eine mehr oder weniger enge sozialeBeziehung pflegen. Entsprechende Techniken bedienen wachsende kommunikativeBedürfnisse „of geographically dispersed networks of families, friends and lovers“(Harper/Watson/Licoppe 2017:301). Im Rahmen von Videotelefonaten werden zwecksAufrechterhaltung der sozialen Bindung, häufig Erlebnisse in den räumlich getrenntenLebenswelten narrativ rekonstruiert und durch die gemeinsame Bearbeitung im Videotelefonatals Bestandteil des personal common ground (Clark 1996:112–116) etabliert.Videotelefonate weisen entsprechend nicht selten erhebliche narrative Anteile auf,die instruktive Einblicke in soziale Konstruktionsprozesse im Zeitalter des Web 2.0eröffnen. Zum anderen bietet die Analyse von Videotelefonaten die Möglichkeit, aufInteraktionsereignisse bei systematischer Berücksichtigung des Sichtbaren analytischzuzugreifen, ohne die ‚Natürlichkeit‘ dieser Ereignisse durch das Platzieren irgendeinerArt von Aufnahmetechnik zu beeinträchtigen. Videokamera und Mikrofonierung sind Teil der verwendeten Kommunikationstechnik selbst. Die Aufzeichnung greift lediglichauf ohnehin schon technisch erfasstes Datenmaterial zu. Hinzu kommt, dass deranalysierende Forscher hier denselben, sich aus der Kameraperspektive ergebendenEinschränkungen unterliegt, wie sie für das äußere Wahrnehmungsfeld der Interagierendenzu veranschlagen sind. Dies scheint besonders vor dem Hintergrund der konversationsanalytischenForderung nach einer möglichst guten Annäherung an die Teilnehmerperspektiveder Interagierenden bedeutsam.Im vorliegenden Beitrag soll in einer Detailanalyse einer Erzählsequenz aus einemVideotelefonat mit Skype aufgezeigt werden, dass sich Muster im Blickverhalten derbeteiligten Akteure entdecken lassen, die darauf hindeuten, dass die Blickausrichtung– vor allem in der wechselseitigen Bezogenheit der Akteure – als Ressource der Handlungskoordinationgenutzt wird, um eine konversationelle Erzählung als embodied jointproject kooperativ hervorzubringen. Dies lässt vermuten, dass die Affordanzen der verwendetenKommunikationstechnik es den Akteuren ermöglichen, in einer Art virtuellemInteraktionsraum miteinander zu interagieren. Um diesen Punkt interaktionstheoretischadäquat fassen zu können, gilt es zunächst das in der interaktional ausgerichtetenMultimodalitätsforschung etablierte Konzept des Interaktionsraumes (Deppermann/Schmitt 2007; Hausendorf 2010; Hausendorf 2013; Hausendorf 2015; Mondada2007; Mondada 2013) auf die Modellierung des ‚Raumes‘ der FtS zu übertragen (Abschnitt2). Im Anschluss wird ein kurzer Überblick relevanter Forschungsergebnissebezüglich des Blickverhaltens sozialer Akteure im Rahmen der kooperativen Herstellungkonversationeller Erzählungen gegeben (Abschnitt 3), vor deren Hintergrundschließlich die Befunde der eigenen exemplarisch-explorativen Analyse (Abschnitt 4)systematisiert und interpretiert werden können (Abschnitt 5).
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Publikationstyp: report
Publikationsstatus: publishedVersion
Erstveröffentlichung: 2019
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