Auswirkung von Blühstreifen auf die Biodiversität der Ackerbegleitflora in maisdominierten Agrarlandschaften

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Rode, M.; Lischka, A.; Schulz, G.: Auswirkung von Blühstreifen auf die Biodiversität der Ackerbegleitflora in maisdominierten Agrarlandschaften. In: Umwelt und Raum 9 (2018), S. 81-114. DOI: https://doi.org/10.15488/3697

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Bei der Anlage von Blühstreifen auf Äckern stehen sich oft die Interessen des Naturschutzes und der Landwirtschaft einander gegenüber. Während der Naturschutz mit offenen, lückigen Blühstreifen licht- und wärmeliebende Arten fördern will, möchte die Landwirtschaft mit möglichst schnell schließenden, dichten Beständen Unkräuter unterdrücken. Bislang existieren kaum Untersuchungen darüber, wie wirksam die Anlage von Blühstreifen ist, um die Ackerbegleitflora auf langjährig intensiv genutzten Ackerflächen zu erhalten und wie die Anlage von Blühstreifen erfolgen muss, um diese gezielt zu fördern. Ziel von Untersuchungen im niedersächsischen Landkreis Rotenburg (Wümme) war daher eine Bewertung, inwieweit Blühstreifen mit unterschiedlicher Bestandsdauer (bis maximal 1,5-jährig) einen Beitrag zur Erhöhung der Artenvielfalt der Ackerbegleitflora in maisdominierten Agrarlandschaften leisten können und welche Varianten an Blühstreifen (Saatgutmischungen, Aussaatdichten und Lage auf der Fläche) die höchste Aufwertung erwarten lassen. Hierzu wurden in den Jahren 2012 und 2013 vergleichende floristische Untersuchungen in unterschiedlichen Blühstreifenvarianten und in benachbarten Maisschlägen durchgeführt. Die Wirkung auf die Ackerbegleitflora wurde vor allem anhand der Artenzusammensetzung, der Individuendichte und der Lichtansprüche der spontan aufgelaufenen Arten untersucht. Parallel dazu wurde die Entwicklung der Arten der Saatgutmischungen und der Bestandesstruktur der Blühstreifen erfasst. Bei herkömmlich in der Landwirtschaft angelegten Blühstreifen (KWS-Blütenzauber, Rotenburger Mischung 2012) wurden ein schneller Bestandesschluss mit hohen Deckungsgraden und eine Dominanz des Gelbsenfes (Sinapis alba) bei gleichzeitiger Unterdrückung niedrigwüchsiger Arten der Saatgutmischungen festgestellt. Eine Reduzierung des Gelbsenfanteils und der Saatgutdichte der Rotenburger Mischung von 12 auf 8 kg je ha bewirkten eine deutlich vielfältigere Zusammensetzung der Blühstreifen und eine erheblich lückigere Bestandesstruktur. Im zweiten Bestandsjahr der Blühstreifen waren mehrere einjährige Arten der Rotenburger Mischung bereits ausgefallen oder nur noch mit sehr wenigen Individuen vorhanden. Die Anzahl spontan aufgelaufener Arten war in allen untersuchten Blühstreifen signifikant höher als in den Maisreferenzflächen. Dabei war wiederum die Gesamtartenzahl in den lückigeren Beständen der Rotenburger Mischung von 2013 signifikant höher als in beiden dichten Beständen der 2012 ausgebrachten Mischungen. Die höchste Anzahl spontan aufgelaufener Arten wurde im zweiten Standjahr der 1,5-jährigen Blühstreifen erreicht. Damit wirken sich hohe Bestandesdichten und die Ausbildung von dichten Dominanzbeständen einzelner Arten der Saatgutmischung negativ auf die Anzahl spontan aufkommender Arten in Blühstreifen aus. Relevante Unterschiede in den durchschnittlichen Lichtansprüchen der Arten und in der Lage der Blühstreifen im Schlag traten dabei allerdings nicht auf. Auch überschritten selbst in den lückigen Blühstreifen die Individuenzahlen der Problemunkräuter nur in wenigen Ausnahmen die Schadschwellen. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass lückige Blühstreifen durch die deutlich und signifikant höheren Artenzahlen von Ackerwildkräutern zu einem Erhalt der Vielfalt der wildlebenden Pflanzen in maisdominierten Agrarlandschaften beitragen können. Damit können Sie einen hohen Beitrag zum Ackerwildkrautschutz leisten, der dem anderer Maßnahmen auf dem Acker, wie Ackerrandstreifen, nahe kommen kann. Die Wirkung dürfte umso höher sein, je mehr (auch seltene) Arten in der Diasporenbank des ausgewählten Standorts noch vorhanden sind. Zur optimierten Förderung der Diversität der Ackerbegleitflora in intensiv genutzten Agrarlandschaften trägt darüber hinaus ein Nebeneinander von einjährigen und 1,5- bis wenigjährigen Blühstreifen aufgrund des unterschiedlichen Alters bei, indem eine höhere Anzahl an unterschiedlich alten Habitatstrukturen gefördert wird.
License of this version: CC BY-NC 3.0 DE
Document Type: article
Publishing status: publishedVersion
Issue Date: 2018
Appears in Collections:Umwelt und Raum : Schriftenreihe Institut für Umweltplanung

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